
Vom 12. bis 18. Oktober 2026 findet die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Bangkok statt. Seit mehr als 80 Jahren sind die beiden Institutionen tragende Säulen eines kapitalistischen Finanzsystems, das neokoloniale Ausbeutungsverhältnisse fortschreibt, globale Ungleichheit und die Klimakrise verschärft, Wirtschaftskrisen und Kriege befeuert und die Lebensgrundlagen von Milliarden Menschen zerstört.
Der Internationale Währungsfonds setzt auf extreme Sparpolitik, fossile Ressourcenausbeutung und Privatisierung. Reformversprechen gab es viele – geblieben sind die immer gleichen neoliberalen Rezepte.
Die Weltbank betreibt eine einseitige Politik zugunsten großer Konzerne und privater Profite – auf Kosten sozialer Rechte wie Bildung und Gesundheit und zu Lasten von Arbeiter*innen. Sie hat eine lange Geschichte von Menschen- und Umweltrechtsverletzungen. Ihre Politik begünstigt Landnahme und entzieht zahllosen Menschen die Lebensgrundlage.
Beide Organisationen sind undemokratisch organisiert. Stimmrechte hängen vom Kapitalanteil der Mitgliedsländer ab. Dadurch haben die USA als einziges Land ein Vetorecht. Im IWF hat Deutschland allein mehr Stimmen als alle 45 Länder Subsahara-Afrikas zusammen. Die Afrikanische Union und die Allianz der Kleinen Inselstaaten fordern daher unter anderem, Regeln zu internationalen Schuldenfragen unter das Dach der UN zu holen – dorthin, wo gilt: ein Land, eine Stimme. Doch Deutschland und weitere Staaten des Globalen Nordens blockieren.
Wir stellen uns gegen diese internationale Wirtschafts- und Finanzordnung, die Profite über soziale und ökologische Rechte stellt, Schulden als Machtinstrument nutzt, auf Aufrüstung statt auf Sozial- und Klimaschutzpolitik setzt und die Kosten globaler Krisen auf diejenigen abwälzt, die am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben.
Auch in den aktuellen Krisen zeigen IWF und Weltbank, wo sie stehen: Auf den fatalen Anstieg der Lebenshaltungskosten infolge des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels auf Iran und die Region haben sie keine Antwort. Die soziale Ungleichheit wächst weltweit an. Auf der einen Seite steht eine enorme Vermögenskonzentration: Konzerne u.a. der Rüstungs-, Energie-, Digital- und Finanzbranche verbuchen Rekordgewinne. Dem stehen Milliarden Menschen gegenüber, die mit steigenden Preisen, prekären Arbeitsverhältnissen und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu kämpfen haben, ob in Bangkok, Dakar, Quito oder auch Berlin.
Weltbankpräsident Ajay Banga sitzt im Exekutivgremium von Trumps illegitimem „Board of Peace“ – und stützt so einen „Wiederaufbauplan“ für Gaza ohne palästinensische Beteiligung. Nach wie vor investiert die Weltbank in fossile Energie und hat sich auf Druck der USA 2025 auch für die Finanzierung von Atomkraft geöffnet. Zugleich droht ihr unabhängiger Beschwerdemechanismus weiter geschwächt zu werden – das einzige Instrument, mit dem Betroffene Verletzungen durch die Bank überhaupt anprangern und Abhilfe durchsetzen können.
Reparationen für koloniale Ausbeutung und Klimazerstörung werden nicht gezahlt. Stattdessen werden die Länder des Globalen Südens weiter ausgepresst: durch Schulden, wirtschaftspolitische Auflagen und eine Finanzarchitektur, in der der Dollar dominiert. In 44 Staaten des Globalen Südens verschlingen Zahlungen an ausländische Gläubiger einen großen Teil der Staatshaushalte. Ein Drittel der Menschheit lebt in Ländern, die mehr Geld für Zinsen ausgeben als für Gesundheit.
IWF und Weltbank folgen in ihrer globalen Politik derselben Ideologie von Profitmaximierung und Machtkonzentration, die wir in Deutschland in Form von Sozialabbau, Kürzungen und verfehltem Klimaschutz sehen.
Weltweit wächst der Widerstand. Tausende werden gegen die Jahrestagung von IWF und Weltbank auf die Straße gehen: für eine gerechte globale Finanzordnung, gegen neokoloniale Ausbeutung, Umweltzerstörung, Krieg und Genozid.
Wir stehen hier in Deutschland Seite an Seite mit unseren Mitstreiter*innen in Bangkok und weltweit. Wir tragen den Protest nach Berlin, wo einer der Hauptverantwortlichen sitzt: Die Bundesregierung ist als viertgrößter Anteilseigner beider Institutionen für diese Politik verantwortlich.
Wir sagen: Diese Welt gehört uns allen – brecht die Macht von IWF und Weltbank!
Wir fordern:
- Schuldengerechtigkeit: die bedingungslose Streichung illegitimer und sozial untragbarer Schulden und die Einrichtung einer UN-Schuldenrahmenkonvention.
- Klimagerechtigkeit: ein Ende fossiler und atomarer Investitionen und eine gerechte sozial-ökologische Transformation.
- Klimareparationen: Staaten und Konzerne, die für die Klimakrise hauptverantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu gehören ein Ende der schädigenden Praktiken sowie verbindliche Zahlungen in Fonds, die die am stärksten betroffenen Länder selbst mitbestimmen. Keine als „Hilfe“ getarnten Klima-Kredite.
- Öffentliche Investitionen: in Bildung, Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit, Wohnen, Ernährung und Klimaschutz statt Austerität, Finanzialisierung und Militarisierung.
- Demokratisierung der internationalen Finanzarchitektur: Über Schulden, Handel, Steuern und Klimafinanzierung muss dort entschieden werden, wo alle Länder mitbestimmen können.
- Schutz für die, die sich wehren: Wirksamer Schutz und echte Beteiligung für Zivilgesellschaft und Menschenrechtsverteidiger*innen weltweit.
Kommt vom 5. bis 13. Oktober zu unserer Aktionswoche – und am 14. Oktober mit uns auf die Straße!
Im Abschnitt „Unterstützende Organisationen“ findet ihr alle die zur Aktionswoche und Kundgebung aufrufen. Für die Inhalte der einzelnen Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswoche sind die jeweiligen Veranstaltenden verantwortlich:
Der Aufruf kann über dieses Formular weiterhin mitgezeichnet werden.

Die Aktionswoche in Deutschland steht im Kontext der Global Days of Action unter dem Motto This World is ours! Resist, Reclaim, Rise up for System Change! und wird mit dem Visual dieser globalen Aktionstage beworben.
Anmeldung zu den Veranstaltungen.
Veranstaltungstermine
Den Flyer zur Aktionswoche hier herunterladen.
Kundgebung: Diese Welt gehört uns allen – brecht die Macht von IWF und Weltbank!
Kommt auf die Straße gegen die Politik von IWF und Weltbank! Gemeinsam treten wir ein für Schulden- und Klimagerechtigkeit, Klimareparationen, öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit etc. und den Schutz für die, die sich wehren.
Mit dem Protestchor Morgenrot, Redebeiträgen, Musik und Live-Berichten von den Protesten aus Bangkok
People – Power – Change: Die Schuldenkrise im Senegal. Teil I
Deutsch & Wolof mit Simultanübersetzung
Boubacar Diop (ASW) gibt einen Überblick über die ökonomischen und politischen Entwicklungen Senegals der letzten Jahre. Souleymane Gueye, Generaldelegierter von FRAPP aus dem Senegal, berichtet, wie sich die aktuelle Verschuldungssituation auf das Leben der Menschen auswirkt. Ziel ist es, ein differenziertes Bild der Lebensrealitäten zu vermitteln und konkrete Auswirkungen der Schuldenkrise und politischer Entscheidungen sichtbar zu machen.
Veranstalter: Aktionsgemeinschaft solidarische Welt, erlassjahr.de, FRAPP; Gefördert von Brot für die Welt.
Filmvorführung: Roter Staub für weißes Gold. Der wahre Preis für unser Aluminium
Deutsch (5€ Eintritt)
Fast drei Millionen Tonnen Bauxit wurden 2024 nach Deutschland importiert. 97 Prozent davon stammten aus dem westafrikanischen Guinea, vor allem aus der Mine der Compagnie des Bauxites de Guineé, kurz CBG. Aufgrund des Bauxitbooms wird die CBG-Mine in Guinea seit 2016 erweitert – mit katastrophalen Folgen für die Natur und die einheimische Bevölkerung. Deutschland trägt eine Mitverantwortung, denn die Bundesregierung hat einen 248-Millionen-Euro-Kredit für die Erweiterung der Mine mit einer Bürgschaft abgesichert. Auch die International Finance Corporation (IFC), die zur Weltbankgruppe gehört, hat CBG 2016 einen Kredit gewährt unter der Bedingung, dass ihre Sozial- und Umweltstandards vom Unternehmen eingehalten werden. Doch das ist nicht der Fall. 2019 haben deswegen 13 betroffene Dörfer eine Beschwerde bei der Ombudsstelle der IFC eingereicht. Das Mediationsverfahren dazu läuft noch immer und geht nur schleppend voran.
Veranstalter: FIAN, Tickets direkt beim Kino
101 Weltbank und IWF: Was machen die und was ist das Problem?
Deutsch
„Weltbank“ und „IWF“ habt ihr schon einmal gehört. Aber was machen diese Institutionen eigentlich? Warum gibt es sie und warum stehen sie immer wieder in der Kritik? In diesem Webinar geben wir eine grundlegende Einführung, beantworten offene Fragen und schaffen Raum für Austausch.
Veranstalter: erlassjahr.de, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung, Ökumenisches Zentrum Oldenburg
Protest gegen Weltbank und IWF – Filmvorführung und Diskussion
Deutsch, Englisch
Schon seit Jahrzehnten protestieren Menschen weltweit gegen die Politik von IWF und Weltbank. Wir diskutieren die Gründe und die Methoden, werfen einen Blick auf die globale Protestbewegung und fragen danach, was sie verändert.
Veranstalter: BUKO (Bundeskoordination Internationalismus) Arbeitsschwerpunkt Koloniale Kontinuitäten
Film “im Herbst der Bestie” (zu den Protesten 1988 in West-Berlin)
Deutsch
Der Film von 1990 behandelt die Kampagne gegen das Jahrestreffen von IWF und Weltbank 1988 in West-Berlin und informiert über die Hintergründe und die Rolle des IWF. Er lebt von der Vielzahl an kreativen Aktionen und riesigen Demonstrationen, die die Stadt damals prägten.
Veranstalter: Arbeitskreis Internationalismus Metaller:innen Berlin, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung, Akteure und Zeitzeug*innen der damaligen Kampagne
People – Power – Change: Die Schuldenkrise im Senegal. Teil II
Deutsch & Französisch mit Simultanübersetzung
Der heterodoxe senegalesische Ökonom Ndongo Samba Sylla analysiert im zweiten Teil dieser Veranstaltungsreihe zentrale Machtverhältnisse zwischen der senegalesischen Regierung, dem IWF und internationalen Gläubigern.
Veranstalter: Aktionsgemeinschaft solidarische Welt, erlassjahr.de, FRAPP; Gefördert von Brot für die Welt.
Film- und Diskussion: BAMAKO (Spielfilm, Mali 2006)
Deutsch (englische Übersetzung möglich)
Spielfilm, Mali 2006, 115 min, Regie: Abderrahmane Sissako. In einem Hof in der Hauptstadt von Mali findet eine öffentliche Gerichtsverhandlung statt, bei der Vertreter der Zivilgesellschaft die Weltbank und den IWF anklagen, die das Land durch ihre Finanzpolitik zugrunde richten.
vorher vegane Küfa; einleitender kurzer Vortrag; im Anschluss Diskussion
Veranstalter: Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg
From the myth of scarcity to climate reparations – the case of Latin America
English
Together with Carola Mejía, Bolivian economist with 16 years of experience in environmental projects, climate finance and sustainable development in Bolivia and Latin America, we will discuss the „Myth of scarcity“ and explore the IMF and World Banks role in creating this myth.
Organised by: Konzeptwerk Neue Ökonomie
UN-Steuerkonvention – Chance für mehr globale Steuergerechtigkeit
Deutsch
Die bisherige Entwicklung und der aktuelle Stand zur Besteuerung internationaler Konzerne und der Überreichen wird dargestellt und Unterstützungsmöglichkeiten auf nationaler Ebene diskutiert.
Veranstalter: attac
From Public Debt to Private Microfinance – Interconnected Facets of Sri Lanka’s Debt Crisis
Englisch
This webinar explores the often-overlooked links between public and private debt in Sri Lanka: from debt conditionality and austerity to commercial microfinance loans, their impacts on communities, the role of Development Finance Institutions, and local resistance and demands. With Dr. Amali Wedagedara, Researcher at the Bandaranaike Centre for International Studies (BCIS), Sri Lanka, and Ahilan Kadirgamar, Dr. Ahilan Kadirgamar, Senior Lecturer, University of Jaffna.
Organised by: erlassjahr.de and Sophia Cramer
Filmscreening “The Balance Sheet: World Bank & its 80-year legacy”
Englisch & Deutsch
Film auf Englisch (mit engl. Untertiteln). Es geht um Projekte der Weltbank und ihre Folgen für Zwangsumsiedlungen, fossile Investitionen und Privatisierung. Die Kritik der Betroffenen verdeutlicht bis heute bestehende Probleme. Mit Einführung und anschließender Diskussion.
Veranstalter: Urgewald, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung
Filmscreening & Diskussion “Debt Inc. Cambodia’s Microfinance Machine”
Englisch & Deutsch
30-minütige Doku zur Überschuldungskrise in Kambodscha (Englisch mit engl. Untertiteln). Im Anschluss Input von und Diskussion mit Sophia Cramer zu systemischen Überschuldungsrisiken und zur Rolle der IFC als Teil der Weltbankgruppe sowie Anforderungen an wirksame Sorgfaltspflichten.
Veranstalter: Facing Finance, Sophia Cramer, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung
People – Power – Change: Die Schuldenkrise im Senegal. Teil III
Deutsch & Französisch mit Simultanübersetzung
Der dritte Teil richtet den Blick nach vorn und fokussiert auf konkrete Veränderungsansätze. Modou Ndiaye, promovierter Wirtschaftsforscher am IDAN (International Development Economics Associates – Africa Network) berichtet über den Kampf gegen neokoloniale Abhängigkeiten und für Schuldengerechtigkeit im Senegal. Mit Debt for Climate und erlassjahr diskutieren sie, wie globale und lokale Kämpfe ineinandergreifen und solidarisches Engagement aussehen kann.
Veranstalter: Aktionsgemeinschaft solidarische Welt, erlassjahr.de, FRAPP; Gefördert von Brot für die Welt.
Aktionsbasteln und Küche für Alle
Wir laden ein, in gemütlicher Runde zusammenzukommen, gemeinsam Banner für die Kundgebung zu gestalten und uns bei leckerem Essen auszutauschen.
Veranstalter: erlassjahr.de, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung
From the streets of Bangkok: Resisting the debt crisis
Join us live from Bangkok! We’ll be reporting on the latest from inside and outside the International Monetary Fund (IMF) and World Bank Annual Meetings, as we join forces with people around the world to demand urgent debt cancellation.
More info and registration here.
Veranstalter: Debt Justice UK
Unterstützende Organisationen & Gruppen
Eine Liste aller unterstützenden Organisationen kann hier heruntergeladen werden.
Ihr wollt auch noch dabei sein? Der Aufruf kann weiterhin über dieses Formular mitgezeichnet werden.
Unterstützende Einzelpersonen
Robin Jaspert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Aram Ziai, Professur für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien. Universität Kassel
Kontakt
Die Aktionswoche wird gestaltet von einem losen Bündnis von Organisationen und Aktivist*innen.
Du willst mitmachen und unterstützen oder die Aktionswoche bewerben? Toll, dann schreib‘ Verena unter verena.kroess@weed-online.org!
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